Molybdän (Mo): Werkstoff, Eigenschaften, Bearbeitung | Negele

Molybdän (Mo)

Molybdän (chemisches Symbol Mo, Ordnungszahl 42) ist ein Refraktärmetall mit einem Schmelzpunkt von 2.620 °C, einer Dichte von 10,2 g/cm³ und einer Wärmeleitfähigkeit von 140 W/mK bei 20 °C. Es kommt überall dort zum Einsatz, wo hohe Warmfestigkeit, niedriger Dampfdruck und Beständigkeit gegen Glas- und Metallschmelzen, Wasserstoff und Edelgase gefordert sind, ohne dass die Dichte und der Bearbeitungsaufwand von Wolfram benötigt werden. Negele Hartmetall-Technik fertigt Molybdän-Bauteile pulvermetallurgisch mit einer Reinheit von mindestens 99,8 %, vom kundenspezifischen Einzelteil bis zur Serie.

Präzisionsgefertigte Molybdän-Bauteile: Mo-Platte mit Ausschnitten, Rundstäbe und ein Mo-Tiegel auf einer Edelstahlwerkbank in der Stuttgarter Fertigung.

Molybdän auf einen Blick

2.620 °CSchmelzpunktSechsthöchster aller Metalle
10,2 g/cm³DichteBei 20 °C, kubisch raumzentriert
140 W/mKWärmeleitfähigkeitBei 20 °C
≥ 99,8 %ReinheitPulvermetallurgisch (Negele)

Eigenschaften von Molybdän

Molybdän zählt wie Wolfram zu den Refraktärmetallen und kristallisiert in einer kubisch raumzentrierten (bcc) Gitterstruktur. Aus dieser Struktur ergeben sich zwei für die Konstruktion entscheidende Charakteristika: ein sehr hoher Elastizitätsmodul von 350 GPa sowie ein ausgeprägter spröd-duktil-Übergang, dessen Lage von Korngröße, Reinheit und Vorverformung abhängt. Die elektronische Konfiguration [Kr] 4d⁵ 5s¹ erklärt die starke metallische Bindung, die für Schmelzpunkt und Warmfestigkeit verantwortlich ist (siehe RSC Periodensystem, Element 42).

Drei Mo-Schrauben in unterschiedlicher Ansicht, eine mit deutlichen Hochtemperatur-Anlauffarben aus dem Einsatz im Vakuumofen.

Gegenüber Wolfram bietet Molybdän die Hälfte der Dichte (10,2 vs. 19,3 g/cm³) bei einem Schmelzpunkt, der für die meisten Hochtemperaturanwendungen unter 1.800 °C völlig ausreichend ist. Die niedrige Wärmeausdehnung von 5,1 × 10⁻⁶/K bei 100 °C macht Mo zum bevorzugten Werkstoff für Bauteile, die mit Silizium, Keramik oder Glas gefügt werden, ohne unzulässige Spannungen aufzubauen. Die hohe Wärmeleitfähigkeit von 140 W/mK sorgt gleichzeitig dafür, dass Wärme zuverlässig abgeleitet wird, was beispielsweise bei Wärmesenken für IGBT-Module oder Hochleistungs-LED-Trägern den Ausschlag gibt.

EigenschaftWertBedingung / Norm
Dichte10,2 g/cm³20 °C, vollständig gesintert
Schmelzpunkt2.620 °C (2.890 K)Hauseigene Produktdaten
Siedepunkt4.620 °C (4.885 K)Hauseigene Produktdaten
Wärmeleitfähigkeit140 W/mKBei 20 °C, vergleichbar Stahl × 3
Linearer Ausdehnungskoeffizient5,1 × 10⁻⁶/K (100 °C)
5,8 × 10⁻⁶/K (1.000 °C)
Hauseigene Produktdaten
Elastizitätsmodul350 GPa20 °C, hohe Steifigkeit
Zugfestigkeit500 bis 800 N/mm²Abhängig von Umformgrad und Spannungsarmglühung
Härte150 bis 230 HV10Geglüht bis spannungsarmgeglüht
Spezifische Wärme0,25 J/gKBei 20 °C
KristallstrukturKubisch raumzentriert (bcc)Gitterparameter 0,3147 nm
Reinheit≥ 99,8 %Sintermolybdän nach ASTM B386 / B387

Quelle: Hauseigene Produktdaten (Molybdän, Stand 01.05.2017), verifiziert gegen WebElements und PubChem CID 23932.

Vergleich der drei Refraktärmetalle Wolfram, Molybdän und TZM hinsichtlich Schmelzpunkt, Dichte und Wärmeleitfähigkeit.
Refraktärmetalle im direkten Vergleich: Molybdän bietet die Hälfte der Dichte von Wolfram bei einem für die meisten Hochtemperaturanwendungen ausreichenden Schmelzpunkt.

Wolfram (W)

Schmelzpunkt: 3.420 °C

Dichte: 19,3 g/cm³

Stärke: Höchster Schmelzpunkt, maximale Dichte für Strahlenschutz

Molybdän (Mo)

Schmelzpunkt: 2.620 °C

Dichte: 10,2 g/cm³

Stärke: Halbe Dichte, deutlich bessere Zerspanbarkeit als W

TZM

Schmelzpunkt: 2.620 °C

Dichte: 10,2 g/cm³

Stärke: Höhere Rekristallisationstemperatur, bessere Kriechfestigkeit

Kernaussage Molybdän ist der pragmatische Refraktärmetall-Werkstoff für Einsatzfälle zwischen 600 °C und 1.700 °C, in denen die Dichte von Wolfram nicht erforderlich ist, die Warmfestigkeit von Nickelbasis-Legierungen aber nicht mehr ausreicht. Wer dauerhaft über 1.400 °C unter mechanischer Last fahren muss, sollte direkt auf TZM, MHC oder MoLa wechseln.

Bearbeitung und Verarbeitung von Molybdän

Praktisch das gesamte technische Molybdän entsteht pulvermetallurgisch. Negele setzt seit 1980 auf dieses Verfahren und gehört in Baden-Württemberg zu den wenigen Spezialisten, die alle Schritte vom Rohling bis zum endkonturnahen Bauteil im Hause oder im engen Verbund mit qualifizierten Partnern abwickeln. Den fachlichen Rahmen für die Pulvermetallurgie in Europa bildet die European Powder Metallurgy Association (EPMA), in deren Normen und Best-Practice-Richtlinien sich auch die Negele-Prozesse wiederfinden.

Ausgangsmaterial: Ammoniumdimolybdat (ADM)

Aus dem Mo-Erzkonzentrat wird durch Rösten und chemische Reinigung Ammoniumdimolybdat gewonnen. ADM ist das Basisprodukt, aus dem hochreines Molybdän aufgebaut wird.

Reduktion zu Mo-Pulver in Wasserstoff

ADM wird zu MoO₃ kalziniert und anschließend in zwei Stufen unter Wasserstoff zu reinem Mo-Pulver reduziert. Korngröße und Sauerstoffgehalt werden über Temperatur und Gasdurchsatz exakt eingestellt.

Pressen und Sintern (1.800 bis 2.100 °C)

Das Pulver wird isostatisch zu Grünlingen verdichtet und in Wasserstoff- oder Vakuumöfen zwischen 1.800 und 2.100 °C gesintert. Es entsteht ein nahezu porenfreies, dichtes Mo-Halbzeug mit Reinheit ≥ 99,8 %.

Warm- und Kaltumformung, Zerspanung

Schmieden, Walzen, Rundkneten zwischen 900 und 1.300 °C verdichten das Gefüge weiter und schließen Restporen. Die finale Geometrie wird durch Drehen, Fräsen, Schleifen oder Drahterodieren auf Zeichnung gebracht.

Drei präzisionsbearbeitete Molybdän-Bauteile in Nahaufnahme: Stützstab, Blende mit Bohrungsmuster und polierter Verdampfertiegel.
Typische pulvermetallurgisch gefertigte Mo-Bauteile aus dem Negele-Programm: Stützstab, Blende und Verdampfertiegel mit feingedrehten Oberflächen.
Zwei Mo-Senkschrauben M16 in zwei Ansichten, gefertigt nach Zeichnung von Negele Hartmetall-Technik.

Im Vergleich zu Wolfram ist Molybdän schon bei niedriger Temperatur gut verformbar und deutlich leichter zu zerspanen. Die Hartmetall-Werkzeuge werden mit Schnittgeschwindigkeiten von etwa 20 bis 60 m/min betrieben, immer mit reichlich Kühlschmierstoff, da Mo bei plötzlichen Temperaturgradienten zur Rissbildung neigt. Bei größeren Umformgraden, Stanzen oder Tiefziehen empfiehlt sich eine Anwärmung auf 200 bis 400 °C: oberhalb der spröd-duktil-Übergangstemperatur ist Mo zuverlässig rissfrei umformbar, je dicker das Halbzeug, desto höher die nötige Anwärmtemperatur. Aktuelle Forschung am pulvermetallurgischen Molybdän zeigt sogar superplastisches Verhalten bei Raumtemperatur unter bestimmten Gefügebedingungen (siehe PMC: Superplasticity in bulk recrystallized molybdenum).

Schweißen ist mit WIG, Elektronenstrahl oder Laser möglich, jeweils mit hochreiner Schutzgasatmosphäre und Vorwärmung. Spannungsarmglühen erfolgt bei 800 bis 1.100 °C unter Vakuum oder Wasserstoff. Wer die Mikrostruktur über lange Standzeiten stabil halten muss, sollte direkt auf TZM oder MoLa wechseln: die dort eingebrachten Carbide bzw. Oxiddispersoide pinnen die Korngrenzen und verschieben die Rekristallisationstemperatur deutlich nach oben.

Technischer Hinweis: Oxidation Molybdän oxidiert ab etwa 500 bis 600 °C an Luft. MoO₃ sublimiert bereits bei 700 bis 800 °C, was zu raschem Materialabtrag führt. Alle Hochtemperaturanwendungen müssen daher unter Vakuum, Schutzgas (Argon, Stickstoff), Wasserstoff oder mit MoSi₂-Diffusionsschichten betrieben werden. Tagespunkt und O₂-Restgehalt der Schutzatmosphäre sind zu überwachen.

Anwendungsgebiete von Molybdän

Glas- und Schmelzindustrie

In der Glasindustrie wird Molybdän für Elektroden, Rührer (Stirrer) in Schmelzwannen, Thermoschutzrohre und Faserdüsen für E-Glas eingesetzt. Mo zeigt in den meisten Silikatschmelzen ein nicht-benetzendes Verhalten und löst sich nur in geringem Maße auf. Negele liefert Mo-Komponenten für Glashütten in Süddeutschland und der Schweiz mit Reinheitszertifikat, das den Kontaminationseintrag in den Glasschmelze nachweisbar macht.

Halbleiter- und Leistungselektronik

Mehrere präzisionsgefertigte Mo-Blenden mit Bohrungen und Aussparungen für Halbleiter- und Optikanwendungen.

Für die Elektroindustrie ist die Kombination aus 140 W/mK Wärmeleitfähigkeit und einem an Silizium angepassten Ausdehnungskoeffizienten von 5,1 × 10⁻⁶/K der entscheidende Vorteil. Mo-Wärmesenken, IGBT-Bodenplatten, Sputtertargets für die Dünnschichttechnik und MOCVD-Suszeptoren stammen typischerweise aus reinem Mo oder dem Verbundwerkstoff Molybdän-Kupfer (MoCu), dessen CTE über das Cu-Verhältnis fein justiert werden kann. Hier zählen Maßhaltigkeit ±0,005 mm und reproduzierbare Oberflächengüte.

Glühende Molybdän-Heizelemente und Hitzeschilde im Inneren eines Vakuumsinterofens während des Betriebs.
Mo-Heizelemente und Hitzeschilde im Vakuumsinterofen: das niedrige Dampfdruck-Niveau verhindert die Kontamination der Charge auch bei Temperaturen oberhalb 1.500 °C.

Hochtemperaturöfen und Vakuumtechnik

Heizleiter, Strahlungsschilde, Sinterunterlagen und Verdampfertiegel im Vakuumofenbau gehören zu den klassischen Mo-Einsatzfeldern, die auch im Maschinen- und Anlagenbau Negele's Lieferprogramm prägen. Der niedrige Dampfdruck von Mo verhindert die Kontamination empfindlicher Chargen oder Vakuumkomponenten auch bei Temperaturen oberhalb 1.500 °C. Für Bauteile, die dauerhaft mechanisch belastet sind, empfiehlt sich der Wechsel auf TZM oder die kriechfesteste Mo-Legierung MHC.

Beleuchtungstechnik und Stromzuführungen

Zwei Mo-Bolzen zur Stromzuführung mit beidseitigem Gewinde, gefertigt nach Zeichnung von Negele Hartmetall-Technik.

In Halogen- und Hochdruckentladungslampen werden Mo-Drähte für Halterungen, Stromzuführungen und Einschmelzungen eingesetzt. Die thermische Ausdehnung von Mo liegt nahe an Hartgläsern (Borosilikatglas), was hermetische Glas-Metall-Verbindungen mit hoher Lebensdauer ermöglicht. Für sehr feine Drähte (< 0,51 mm Durchmesser) gilt die spezielle Spezifikation ASTM F289 für Mo-Drähte und Stäbe in elektronischen Anwendungen. Negele liefert in dieses Segment Abblendkappen, Halterungen und Trägerelemente nach Zeichnung.

Strahlenschutz, Medizin- und Pharmaindustrie

Zwei zylindrische Mo-Formteile mit Flanschen für Helmholtz-Spulen und Beschleuniger-Komponenten.

Im Bereich Strahlenschutz und in der Pharmazie / Forschung / Medizin wird Mo unter anderem für Drehanoden in Röntgenröhren, für Strahlenkollimatoren in der bildgebenden Diagnostik und für Bauteile von Beschleunigeranlagen eingesetzt. Wo der Strahlungsabsorptionsquerschnitt höher sein muss, ergänzt Negele Mo-Konstruktionen durch Wolfram- oder Wolfram-Schwermetall (WSM)-Komponenten aus demselben Lieferprogramm.

Molybdänlegierungen im Überblick

Reines Molybdän deckt einen großen Teil der Hochtemperatur-Anwendungen ab, stößt aber an Grenzen, sobald Kriechfestigkeit, Korngrößenstabilität oder gezielte Thermomanagement-Eigenschaften gefragt sind. Aus genau diesem Grund hat Negele sein Mo-Programm um vier dotierte Legierungen erweitert.

LegierungZusammensetzungStärkeTypischer Einsatz
TZMMo + 0,5 % Ti + 0,08 % Zr + 0,02 % CHöhere Rekristallisationstemperatur (≈ 1.400 °C), bessere KriechfestigkeitSchmiedegesenke, Heißkanaldüsen, Halbleiter-Fixtures
MoLa (ML)Mo + 0,7 bis 1 % La₂O₃Oxiddispersion stabilisiert das Gefüge, hohe RekristallisationstemperaturSchweißelektroden, Heizleiter, Glasrührer mit langer Standzeit
MoCuMo-Cu-Verbund, Cu-Anteil 15 bis 40 %CTE über Cu-Anteil einstellbar, hohe WärmeleitfähigkeitIGBT-Bodenplatten, Wärmesenken, HF-Module
MHCMo + 0,8 bis 1,4 % Hf + 0,05 bis 0,15 % CHöchste Kriechfestigkeit aller Mo-LegierungenSchmiedegesenke für Ni-Basis-Werkstoffe, Hochlast-Hochtemperatur-Teile
MoWMo-W-Mischkristall, W-Anteil bis 30 %Erweiterter Temperatureinsatz, gute chemische Beständigkeit gegen Zink-SchmelzeSputtertargets, spezielle Korrosionsanwendungen, Glasbauteile

Quelle: Hauseigene Produktdaten Mo / TZM / MHC, verifiziert gegen ASTM B386 (Mo 360 / 361 / 363 / 364 / 365 / 366) und Empfehlungen der International Molybdenum Association (IMOA).

Lieferformen und Fertigung

Vier Mo-Potentialbleche in unterschiedlichen Geometrien mit Ausschnitten, Aussparungen und Bohrungen, gefertigt nach Kundenzeichnung.
Mo-Potentialbleche nach Zeichnung: vier Geometrievarianten aus einem Auftrag, vom Einzelteil bis zur Serie ohne Mindestbestellmenge.

Negele ist Lohnfertiger, kein Lagerhändler. Das bedeutet: Sie erhalten Mo-Bauteile in genau der Geometrie, der Toleranzklasse und der Stückzahl, die Ihre Konstruktion verlangt, nicht aus dem Standardkatalog. Typische Lieferformen sind Zeichnungsteile, endkonturnahe Preforms, Rohlinge (Blanks), Ronden, Stifte sowie Halbzeuge nach Kundenspezifikation. Vom Einzelteil für Forschung und Prototypen bis zur wiederkehrenden Serie für die Automotive- und Elektroindustrie wird ohne Mindestbestellmenge gefertigt.

Die typische Lieferzeit liegt bei 6 bis 8 Wochen, bei einfachen Geometrien auch kürzer. Wer den Fertigungsablauf parallelisieren möchte (beispielsweise Halbzeugbeschaffung, Sintern und Endbearbeitung), nutzt am besten die technische Beratung bereits in der Konstruktionsphase, das spart auf der Stundenliste mehr als jede Optimierung am fertigen Bauteil.

Normen und Standards

Für die Beschaffung von Mo-Halbzeugen und -Bauteilen sind im internationalen Umfeld primär die ASTM-Normen relevant: ASTM B386/B386M regelt Bleche, Bänder, Folien und Ribbons aus unlegiertem Mo und Mo-Legierungen (einschließlich der Sorten Mo 360 für lichtbogenerschmolzenes und Mo 361 für pulvermetallurgisches Reinmolybdän). ASTM B387/B387M deckt Stäbe, Rundmaterial und Draht ab 0,51 mm Durchmesser ab. Beides verantwortet die ASTM-Unterkommission B10.04 für Molybdän und Wolfram.

Im deutschsprachigen Raum bleibt DIN 17850 die wichtigste Normreferenz für Reinmolybdän in Form von Stangen, Drähten, Blechen und Bändern. Jedes von Negele gelieferte Bauteil kann mit einem Abnahmezeugnis nach EN 10204 ausgestattet werden, in den meisten Fällen als 3.1 (Werksbescheinigung mit Prüfwerten zu Chemie und Mechanik), auf Anforderung auch als 3.2 (zusätzliche Kontrolle durch unabhängige Prüfstelle). Negele ist nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert, das vollständige Zertifikat steht im Bereich Downloads bereit.

Häufig gestellte Fragen zu Molybdän

Was ist Molybdän?

Molybdän (chemisches Symbol Mo, Ordnungszahl 42) ist ein silbergraues Refraktärmetall der 6. Gruppe des Periodensystems. Es hat einen Schmelzpunkt von 2.620 °C, eine Dichte von 10,2 g/cm³ und kristallisiert in einer kubisch raumzentrierten Gitterstruktur. In der Industrie wird Mo wegen seiner Warmfestigkeit, niedrigen Wärmeausdehnung und Beständigkeit gegen Glas- und Metallschmelzen eingesetzt.

Welche Dichte hat Molybdän?

Die Dichte von vollständig gesintertem, reinem Molybdän beträgt 10,2 g/cm³ bei 20 °C. Damit liegt Mo etwa bei der Hälfte der Dichte von Wolfram (19,3 g/cm³) und nur leicht über der Dichte von Stahl (≈ 7,9 g/cm³). Diese moderate Dichte ist einer der Hauptgründe, warum Mo bei Bauteilen mit Gewichtsrestriktionen Wolfram vorgezogen wird.

Wie hoch ist der Schmelzpunkt von Molybdän?

Der Schmelzpunkt von Molybdän liegt bei 2.620 °C (2.890 K) und ist damit der sechsthöchste aller chemischen Elemente. In der Praxis wird Mo allerdings nur bis etwa 1.700 bis 1.800 °C unter Vakuum oder Schutzgas konstruktiv eingesetzt, da Korngröße, Kriechen und Rekristallisation die obere Einsatzgrenze deutlich unter den Schmelzpunkt verlagern.

Wofür wird Molybdän verwendet?

Industriell wird Molybdän vor allem als Hochtemperatur-Konstruktionswerkstoff eingesetzt: Rührer und Elektroden in Glasschmelzen, Heizleiter und Hitzeschilde im Vakuumofenbau, Wärmesenken und Bodenplatten für Leistungselektronik, Halterungs- und Stromzuführungsdrähte in Lampen, Drehanoden in Röntgenröhren sowie Sputtertargets für die Dünnschichttechnik. Daneben dient Mo als Legierungselement in hochwarmfesten Stählen und Superlegierungen.

Wie wird Molybdän bearbeitet?

Mo wird pulvermetallurgisch hergestellt (Hydrogenreduktion von MoO₃, Pressen, Sintern bei 1.800 bis 2.100 °C) und anschließend warm- und kaltumgeformt. Zerspant wird Mo mit Hartmetall-Werkzeugen bei Schnittgeschwindigkeiten von etwa 20 bis 60 m/min und reichlich Kühlschmierstoff. Umformen und Biegen erfolgen oberhalb der spröd-duktil-Übergangstemperatur, in der Regel nach Anwärmen auf 200 bis 400 °C, bei dicken Querschnitten auch deutlich höher.

Was ist der Unterschied zwischen Molybdän und Wolfram?

Wolfram hat einen höheren Schmelzpunkt (3.420 °C statt 2.620 °C) und eine fast doppelt so hohe Dichte (19,3 statt 10,2 g/cm³). Molybdän ist dafür deutlich leichter zu zerspanen, schon bei niedrigeren Temperaturen umformbar und in vielen Anwendungen unter 1.800 °C die wirtschaftlichere Wahl. Wolfram wird bevorzugt, wenn maximale Dichte (Strahlenschutz, Auswuchten) oder Temperaturen über 1.800 °C gefragt sind.

Welche Molybdänlegierungen gibt es?

Die wichtigsten technisch relevanten Mo-Legierungen sind TZM (Mo + 0,5 % Ti + 0,08 % Zr + 0,02 % C, höhere Rekristallisationstemperatur), MoLa (Mo + 0,7 bis 1 % La₂O₃, oxiddispersionsverfestigt), MoCu (Mo-Cu-Verbund für Thermomanagement), MHC (Mo + 0,8 bis 1,4 % Hf + 0,05 bis 0,15 % C, höchste Kriechfestigkeit) und MoW (Mo-W-Mischkristall für erweiterten Temperaturbereich). Negele liefert alle diese Legierungen aus einem Programm.

Welche Normen gelten für Molybdän?

Für Mo-Halbzeuge und -Bauteile gelten international ASTM B386 (Bleche, Bänder, Folien) und ASTM B387 (Stäbe, Rundmaterial, Drähte ≥ 0,51 mm), ergänzt um ASTM F289 für feinere Mo-Drähte in elektronischen Anwendungen. Im deutschsprachigen Raum kommt DIN 17850 für Reinmolybdän hinzu. Abnahmezeugnisse werden nach EN 10204 (typischerweise 3.1, auf Anforderung 3.2) ausgestellt.

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