Hochtemperatur-Bauteile aus Molybdän-Lanthanoxid (MoLa): Heizleiterbänder, dünne Trägerdrähte und ein Verdampferschiffchen auf einer Werkbank in der Präzisionsfertigung, im Hintergrund eine CNC-Maschine.

Molybdän-Lanthanoxid (MoLa)

Winzige Dotierungen bewirken Großes. Molybdän-Lanthanoxid (MoLa, auch ML) ist mit 0,3 bis 0,7 Gew.-% Lanthanoxid (La2O3) dotiertes Molybdän. Schon diese geringe Menge fein verteilter Lanthanoxid-Partikel verändert die Gefügestruktur erheblich: Es entsteht eine langgestreckte Faserstruktur, die die Rekristallisation behindert. Dadurch ist MoLa formstabiler (kriechfester) und besitzt eine deutlich höhere Rekristallisationstemperatur als reines Molybdän, bei guter Schweißfähigkeit und besserer Bearbeitbarkeit. Negele Hartmetall-Technik fertigt MoLa-Bauteile nach Zeichnung, vom Einzelteil bis zur Serie.

Molybdän-Lanthanoxid auf einen Blick

0,3 bis 0,7 %La2O3-Dotierungnach Gewicht
2.620 °CSchmelzpunktMolybdän-Basis
~1.300 °CRekristallisationstatt ~1.100 °C bei reinem Mo
10,2 g/cm³Dichtekrz-Gitter

MoLa gehört zur Familie der oxiddispersionsverfestigten (ODS) Refraktärmetalle. Es ist das Molybdän-Gegenstück zum lanthanoxiddotierten Wolfram (WL): In beiden Fällen halten unlösliche Oxidpartikel das Gefüge auch bei hohen Temperaturen stabil und verhindern das Durchhängen ("non-sag") von Drähten und Bändern.

Drei Stößel aus Molybdän, alternativ aus Molybdän-Lanthanoxid (MoLa) oder Titan-Zirkonium-Molybdän (TZM), nach Zeichnung gefertigt.
Stößel, lieferbar aus Molybdän, Molybdän-Lanthanoxid (MoLa) oder TZM, gefertigt nach Kundenzeichnung.

Eigenschaften von Molybdän-Lanthanoxid

Die Wirkung der Dotierung beruht auf Dispersionsverfestigung: Beim Sintern und anschließenden Umformen verteilen sich feine La2O3-Partikel im Molybdän und verankern Korngrenzen und Versetzungen. Durch das Walzen, Schwenken oder Ziehen entsteht daraus eine langgestreckte, ineinander verzahnte Faserstruktur (Stapelfaserstruktur), wie sie auch in Untersuchungen an Mo-La2O3-Werkstoffen beschrieben wird.

Gefügeschema: reines Molybdän mit grobkörnigem rekristallisiertem Gefüge gegenüber MoLa mit langgestreckter, durch La2O3-Partikel stabilisierter Faserstruktur.
Reines Mo (rekristallisiert) gegenüber der durch La2O3 stabilisierten Faserstruktur von MoLa.

Diese Faserstruktur ist der Schlüssel zum Eigenschaftsgewinn. Reines Molybdän rekristallisiert je nach Umformgrad bereits ab etwa 1.100 °C und wird danach grobkörnig und spröde. MoLa hingegen hält seine Faserstruktur deutlich länger: Untersuchungen zur Rekristallisation von Molybdänlegierungen zeigen für dotiertes Material eine Rekristallisationstemperatur um 1.300 °C bei hohem Umformgrad. Daraus folgen bessere Kriechfestigkeit, höhere Formstabilität und eine erhaltene Restduktilität nach thermischer Belastung. Während reines Molybdän nach dem Rekristallisieren grobkörnig und spröde wird, bleibt MoLa durch die feinverteilten Oxidpartikel auch nach hoher Temperaturbelastung zäher und zuverlässiger handhabbar.

Balkendiagramm: Rekristallisationstemperatur von reinem Molybdän (etwa 1.100 Grad Celsius) gegenüber MoLa (etwa 1.300 bis 1.400 Grad Celsius).
MoLa rekristallisiert erst bei deutlich höheren Temperaturen als reines Molybdän.

Die übrigen physikalischen Kennwerte entsprechen weitgehend denen von reinem Molybdän, da der Dotierungsanteil unter einem Gewichtsprozent liegt. Molybdän bietet laut International Molybdenum Association eine hohe Wärme- und elektrische Leitfähigkeit bei niedriger Wärmeausdehnung, einen Schmelzpunkt von rund 2.623 °C und eine Dichte von etwa 10,2 g/cm³.

EigenschaftEinheit / NormWert
La2O3-DotierungGew.-%0,3 bis 0,7
Dichteg/cm³10,2
HärteHV10150 bis 230
Schmelzpunkt°C2.620
Siedepunkt°C4.620
Wärmeleitfähigkeit (20 °C)W/(m·K)140
Längenausdehnung (100 °C / 1000 °C)10-6/K5,1 / 5,8
ElastizitätsmodulGPa350
ZugfestigkeitN/mm²500 bis 800
Rekristallisationstemperatur°C~1.300 (statt ~1.100 bei reinem Mo)
Kristallstruktur-kubisch-raumzentriert (krz)

Quelle: Hauseigene Produktdaten (Molybdän / ML), Stand 01.05.2017, verifiziert gegen DIN/ISO-Normen. Rekristallisationswerte aus Fachliteratur (ScienceDirect).

MoLa im Vergleich

Molybdän-Lanthanoxid (MoLa)

Verfestigung: Oxiddispersion (La2O3)

Rekristallisation: ~1.300 °C

Stärke: Formstabilität, non-sag, Restduktilität

Reines Molybdän

Verfestigung: keine Dotierung

Rekristallisation: ab ~1.100 °C

Schwäche: versprödet nach Rekristallisation

TZM

Verfestigung: Karbide (Ti, Zr)

Rekristallisation: ~1.300 bis 1.400 °C

Stärke: höhere Festigkeit für Strukturteile

Kernaussage MoLa ist die richtige Wahl, wenn Molybdän-Bauteile bei hoher Temperatur ihre Form halten müssen, etwa Drähte, Bänder und Heizleiter, die nicht durchhängen dürfen. Geht es dagegen um maximale Festigkeit von Strukturteilen, ist TZM oft die bessere Wahl. Welche Molybdän-Variante zu Ihrem Lastfall passt, klären wir in der technischen Beratung.

Herstellung und Bearbeitung von MoLa

Molybdän-Lanthanoxid wird pulvermetallurgisch hergestellt, nicht erschmolzen. Molybdän- und Lanthanoxid-Pulver werden gemischt, gepresst und gesintert, anschließend thermomechanisch umgeformt. Erst dieses Walzen, Schwenken und Ziehen erzeugt die langgestreckte Faserstruktur, die MoLa seine Formstabilität verleiht.

Pulver dotieren

Molybdänpulver mit 0,3 bis 0,7 Gew.-% La2O3 homogen mischen.

Pressen und Sintern

Verdichten zum Grünling, Sintern unter Vakuum oder Wasserstoff zur Vermeidung von Oxidation.

Umformen

Walzen, Schwenken oder Ziehen, wodurch sich die stabilisierende Faserstruktur ausbildet.

Bearbeiten und Fügen

Spanende Bearbeitung, Schweißen und Konfektionierung zum einbaufertigen Bauteil.

Die Dotierung erleichtert die Verarbeitung: MoLa lässt sich besser spanend bearbeiten als reines Molybdän und ist gut schweißbar, mit sich selbst und mit anderen Metallen. Negele fertigt MoLa-Bauteile in der flexiblen Einzel- und Serienfertigung nach Zeichnung.

Technischer Hinweis Molybdän und MoLa oxidieren an Luft bereits ab etwa 500 bis 600 °C, wobei flüchtiges Molybdäntrioxid (MoO3) entsteht. Hochtemperaturanwendungen erfolgen deshalb fast immer unter Vakuum, Schutzgas oder in Wasserstofföfen. Quelle: AZoM, Molybdenum Mechanical Properties.

Anwendungsgebiete

Die hohe Rekristallisationstemperatur und die Formstabilität machen MoLa zum bevorzugten Werkstoff dort, wo Bauteile lange und heiß arbeiten müssen, ohne durchzuhängen.

Infografik mit vier Anwendungen von MoLa: Lichtindustrie, Ofenbau, Verdampferschiffchen und Elektroden.
Typische Einsatzgebiete von Molybdän-Lanthanoxid: Lichtindustrie, Ofenbau, Verdampfer, Elektroden.

Lichtindustrie

In der Licht- und Elektroindustrie dient MoLa als Halte- und Zuführungsdraht, etwa als Stromzuführung in Halogenlampen. Die Faserstruktur verhindert das Durchhängen der dünnen Drähte im Betrieb und sorgt für gute Schweiß- und Glas-Metall-Einschmelzeigenschaften.

Ofenbau und Hochtemperatur

Im Hochtemperatur-Ofenbau und im Anlagenbau wird MoLa zu Heizleitern, Bändern, Drähten und Sinterschiffchen verarbeitet. In Wasserstoff- und Vakuumöfen halten diese Bauteile ihre Geometrie auch oberhalb von 1.500 °C über lange Zyklen.

Zwei Abschirmblenden aus Molybdän aus unterschiedlicher Ansicht, nach Zeichnung gefertigt.
Abschirmblenden aus Molybdän nach Zeichnung, auch in MoLa lieferbar.

Verdampfer und Beschichtung

Als Verdampferschiffchen und Verdampferwendeln trägt MoLa das aufzudampfende Material in Beschichtungsanlagen. Hohe Temperaturwechselbeständigkeit und Formstabilität sind hier über viele Zyklen entscheidend. Auch in der Halbleiter-, Display- und Solartechnik gewinnt dotiertes Molybdän an Bedeutung, etwa als Heißzonen-Bauteil oder Trägermaterial, wo enge Maßtoleranzen bei extremen Temperaturen eingehalten werden müssen.

Forschung und Elektroden

In Forschung und Labortechnik sowie in der Glas- und Schmelztechnik kommt MoLa als Elektrode und Hochtemperaturbauteil zum Einsatz, wo Maßbeständigkeit unter thermischer Last gefordert ist.

Lieferformen

Negele ist Auftragsfertiger und stellt MoLa nach Kundenspezifikation her, nicht als Lagerware für Normprofile. Im Mittelpunkt stehen einbaufertige Bauteile nach Zeichnung sowie Halbzeuge für die nachgelagerte Bearbeitung.

  • Einbaufertige Bauteile nach Zeichnung, endkonturnah und einsatzbereit
  • Profile, Stäbe und Bleche als Basis für die Endbearbeitung
  • Drähte und Bänder für Licht- und Ofenanwendungen
  • Sonderformen je nach Anwendung

Die typische Lieferzeit liegt bei 6 bis 8 Wochen, bei einfachen Geometrien auch kürzer. Als familiengeführtes Unternehmen aus Stuttgart entscheidet Negele kurzfristig und flexibel, gerade bei Einzelteilen und kleinen Serien.

Zwei große, runde Sitze aus Molybdän, von vorn und von der Rückseite, nach Zeichnung gefertigt.
Sitz aus Molybdän, gefertigt nach Kundenzeichnung, ebenso in MoLa möglich.

Normen und Standards

Molybdän und seine Legierungen sind international genormt. Die zentrale Norm ist ASTM B387/B387M (Standard Specification for Molybdenum and Molybdenum Alloy Bar, Rod, and Wire). MoLa wird darin als eigenständige Molybdänlegierung neben reinem Molybdän (Mo-1) und TZM geführt.

Auf Wunsch liefert Negele MoLa mit Material- und Prüfbescheinigung nach EN 10204 (Zeugnis 2.1, 2.2 oder Abnahmeprüfzeugnis 3.1). Die Fertigung ist nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert. Details finden Sie im Bereich Chargen- und Prüfbescheinigung.

Häufig gestellte Fragen zu Molybdän-Lanthanoxid

Was ist Molybdän-Lanthanoxid (MoLa)?

Molybdän-Lanthanoxid (MoLa, auch ML) ist Molybdän, das mit 0,3 bis 0,7 Gew.-% Lanthanoxid (La2O3) dotiert ist. Die fein verteilten Oxidpartikel erzeugen eine langgestreckte Faserstruktur, die die Rekristallisation behindert. Dadurch ist MoLa formstabiler und kriechfester als reines Molybdän.

Was bewirkt die Lanthanoxid-Dotierung?

Die feinen La2O3-Partikel verankern Korngrenzen und Versetzungen (Dispersionsverfestigung). Beim Umformen entsteht daraus eine ineinander verzahnte Faserstruktur, die das Gefüge bei hohen Temperaturen stabil hält und ein Durchhängen ("non-sag") von Drähten und Bändern verhindert.

Wie hoch ist die Dotierung bei MoLa?

Die Dotierung beträgt 0,3 bis 0,7 Gew.-% Lanthanoxid, der Rest ist Molybdän. Schon dieser geringe Anteil verändert die Gefügestruktur und das Hochtemperaturverhalten erheblich, ohne die grundlegenden physikalischen Kennwerte des Molybdäns wesentlich zu ändern.

Worin unterscheidet sich MoLa von reinem Molybdän?

MoLa hat eine deutlich höhere Rekristallisationstemperatur, bessere Kriechfestigkeit und Formstabilität sowie eine erhaltene Duktilität nach thermischer Belastung. Reines Molybdän rekristallisiert früher und wird danach grobkörnig und spröde. Zudem ist MoLa besser schweißbar und leichter bearbeitbar.

Wie hoch ist die Rekristallisationstemperatur von MoLa?

Für dotiertes Molybdän wird bei hohem Umformgrad eine Rekristallisationstemperatur um 1.300 °C berichtet, gegenüber etwa 1.100 °C bei reinem Molybdän. Der genaue Wert hängt vom Umformgrad und der Verarbeitung ab.

Was ist der Unterschied zwischen MoLa und TZM?

MoLa ist oxiddispersionsverfestigt (La2O3) und auf Formstabilität und Durchhängeschutz bei sehr hohen Temperaturen optimiert, vor allem für Draht und Blech. TZM ist karbidverfestigt (Titan, Zirkonium) und bietet höhere Festigkeit für mechanisch belastete Strukturteile. Beide haben eine deutlich höhere Rekristallisationstemperatur als reines Molybdän.

Wofür wird Molybdän-Lanthanoxid verwendet?

Typische Anwendungen sind Halte- und Zuführungsdrähte in der Lichtindustrie, Heizleiter, Bänder, Drähte und Sinterschiffchen im Hochtemperatur-Ofenbau, Verdampferschiffchen und -wendeln in Beschichtungsanlagen sowie Elektroden. Immer dann, wenn Bauteile heiß arbeiten und ihre Form halten müssen.

Lässt sich MoLa schweißen und bearbeiten?

Ja. MoLa hat eine gute Schweißfähigkeit mit sich selbst und mit anderen Metallen und lässt sich leichter spanend bearbeiten als reines Molybdän. Das ermöglicht einbaufertige Zeichnungsteile mit engen Toleranzen.

Bei welcher Temperatur oxidiert Molybdän?

Molybdän und MoLa oxidieren an Luft bereits ab etwa 500 bis 600 °C unter Bildung von flüchtigem Molybdäntrioxid (MoO3). Hochtemperaturanwendungen erfolgen deshalb unter Vakuum, Schutzgas oder in Wasserstofföfen.

MoLa-Bauteile nach Ihren Anforderungen

Vom Einzelteil bis zur Serie: persönliche Beratung zur richtigen Molybdän-Variante und Fertigung nach Zeichnung, mit über 40 Jahren Erfahrung in der Pulvermetallurgie. Lieferzeit 6 bis 8 Wochen, keine Mindestbestellmenge.

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